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Hörtipp des Monats: Dubliners von James Joyce

Das alte Irland der kleinen Leute lebt als erzählendes Meisterwerk in der Hörspielausgabe „Dubliners” auf. Ein Ensemble von bekannten Schauspielern trifft den Tonfall eines verrückt werdenden Priesters, Saufbrüdern und Dienstmädchen glänzend.

Einige der frühen Erzählungen von James Joyce, die sehr präzise und sprachmächtig als Skizzen angelegt sind, waren ursprünglich Auftragsarbeiten für eine Dubliner Landwirtschaftszeitung. Daraus wurde Joyces Frühwerk „Dubliners”, das bereits jenen Kosmos entfaltet, aus dem später „Ulysses” entstehen sollte. Es sind kleine Episoden wie Momentaufnahmen aus dem Leben einfacher Menschen mit scheinbar normalen Fragestellungen, die durch hohe Verdichtung von Details und in vielen gedanklichen Wendungen immer einen überraschenden Ausgang nehmen.

Joyce ist in der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts festgeschrieben als revolutionärer Sprachmagier und Meister der poetischen Lautmalerei, was seine frühen Erzählungen geradezu für ein Hörspiel in dieser modernen und asketischen Form prädestiniert. Der Regisseur der Inszenierung, Ulrich Lampen, lässt die Sprachballaden mehrstimmig von älteren und jüngeren Schauspielern anlegen und fügt die Episoden des 1904 erschienenen Erzählbandes virtuos zu einem dicht gewebten, großartig gesprochenen Bild des alten Dublin zusammen. Mag sein, dass es dieses Dublin heute nicht mehr gibt. Oder doch? Was sich lesend heute vielleicht nicht leicht erschließt, denn kein zweiter Schriftsteller beherrschte das Spiel der Wortschöpfungen so perfekt wie Joyce, wird in der Hörform zum filmisch tönenden Literaturerlebnis. Eine Empfehlung für frostige Abende im Cottage am Kamin.

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