AufKurs-Reisen
Willkommen auf » Portugals königliche Küste – zwischen Estoril und Cascais von Gudrun Steinmill-Hommel…

Portugals königliche Küste – zwischen Estoril und Cascais von Gudrun Steinmill-Hommel…

Und so fangen fast alle Geschichten an. Es war einmal eine portugiesische Königsfamilie, die entdeckte, vor 120 Jahren, ein altes Fischerdorf mit Namen Cascais. Die Zitadelle machte sie zu ihrer Sommerresidenz und zog damit ihren vornehmen, adligen Duftkreis hinter sich her. Seitdem gilt Cascais als feinste Adresse, westlich von Lissabon. Der prunkvolle Glanz alter Tage ist längst verblichen, und trotzdem spürt man immer noch den Flair der “Bel-Epoche”.

Sonnige Wärme und frische Meeresluft tanken, einfach abschalten und relaxen. Das sind die Gedanken mit denen wir im Flugzeug sitzen und gespannt sind, was uns erwartet. Wegen des langen Sommers und des milden Winters ist die Küste, vor Lissabons Toren, ein Geheimtipp und ein begehrtes Ziel, für sonnenhungrige Mitteleuropäer. Man flaniert an der palmenumsäumten Uferpromenade, entlang kleiner Schlößchen und Villen. Als Alternative, die Fußgängerzone mit ihren sonnigen Cafes und schicken, verführerischen Shops.

Unser Hotel in ruhiger, traumhafter Panoramalage. Ausblick auf Leuchtturm, Schloss eines Geldbarons und dem weiten Meer. Doch die Ruhe endete in der ersten Nacht. Mit dem ersten Techno-Trommelschlag, saßen wir senkrecht im Bett. Entsetzt stellten wir fest, dass direkt gegenüber eine Diskothek war. Der Leuchtturm blinkte auf und ab, zum Rhythmus der Musik. Wir versuchten wieder in den Schlaf zu kommen. Was leider nicht klappte.

Mit “doisch galau”, was sich fast wie ein Karnevalsgruß anhört, aber nichts anderes als “zwei Milchkaffee” bedeutet, fingen Sprachübungen und Urlaub an. Es ging relativ locker, nur beim Wort Cascais hatte ich ein paar Schwierigkeiten, da das “s” auf Portugiesisch oft als “sch” ausgesprochen wird. So entschlüpfte mir statt “Kaschkaisch”, das Wort “Kascheiß”, was Freya unheimlich amüsierte. So entwickelte sich der Name, des Ortes, zum “Schtolperschtein”, einen ganzen Urlaub lang, und wurde damit zum Lachobjekt meiner Tochter.

Ihren internationalen Ruf verdankt die königliche Küste ihrem attraktiven Hinterland Sintra und Umgebung. Immer noch suchen hier, gekrönte wie ungekrönte Häupter, die Glückseeligkeit. Und wir, ein bisschen Spaß und Abwechslung.

Vom Mittelalter an zogen sich die portugiesischen Monarchen, zur heißen Jahreszeit, in die romantische Palast- und Burgenstadt Sintra zurück, und das sollte unsere erste Entdeckungsreise werden. Sintra, die alte Maurenstadt, deren Festung der erste König Alfonso Henriques 1147 stürmte, war seit dem Mittelalter Sommerresidenz, der portugiesischen Könige und des Adels. Auf verschlungenen Pfaden, fuhren oder besser holperten wir und suchten das Ziel, vorbei an reizvollen Quintas im Schatten von Palmen und Zedern.

Schon aus der Ferne, auf der höchsten Felsspitze, sahen wir, in großartiger Aussichtslage, die pseudo-mittelalterliche Phantasieburg trohnen. Das portugiesische “Neuschwanstein”. Eine Komposition von Burg, Berg und einer Parkanlage von 270 ha, gerahmt von melancholischen Kamelien und blassen, vornehmen Rosen, erinnert an Märchenbücher aus Kindertagen.

Wir stellten die Vespa ab. Dann schritten wir mit königlichem Gefühl, Schloß aufwärts, einigen Japanern hinterher. Schloss und Park entstanden1840 über einer verfallenen Klosteranlage aus manuelinischer Zeit. Bauherr war der deutsche Prinzgemahl von Königin Maria II, Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha, der bis zu seinem Tod 1885, Unsummen in das Projekt steckte. Enormen Aufwand trieb der Bauherr bei der Anlage des riesigen Parks, der sich weit über die Berghänge erstreckt. Tropische Farnentäler, Teiche, einen Tannenwald aus japanischen Pinien und chinesischen Eiben, exotischer geht es kaum noch.

Hoch über den Zinnenspitzen genossen wir die atemberaubende Aussicht, über das ganze Tal bis hin zur Küste. Zum Schluß noch einmal “Dosch galau” und ein Hoch auf “Schloss la Pena”, dann brausten wir mit unserem Zweirad, bergabwärts, zurück zur Küste.

Sehen und gesehen werden, als eine riesige interaktive Bühne, so präsentiert sich Estoril. Ein Revier für feine Leute, wo auch der Jet-Set, so dann und wann auf- und eintaucht. Und nicht zuletzt im legendären Spielcasino, wo die Einen über Nacht reich und die Anderen arm werden.

Die Strandmeile zwischen Estoril und Cascais, die immer noch für sich beansprucht, Portugals eleganteste zu sein, ist nach wie vor ein fester Begriff für Auf- und Aussteiger, Filmstars und freilich mehr Sternchen sowie internationales Publikum. Und ich stolz mit einem Star, an meiner Seite. Unser Urlaub gestaltete sich aus einer Mischung, von Kultur, Bade- und Schlemmerei Vergnügen. Einmal am Tag im königlichen Meerbad, machten wir zum “Muss sein” mit breit angelegten Treppen und Schutzmauern, die verhindern, dass hohe Wellen über den Kopf rollen.

Den ganzen Tag am Meer, das macht bekanntlich hungrig. So freuten wir uns, abends, auf guten Wein und frische Meeresfrüchte. Dabei den knallroten Sonnenuntergang genießen und den Duft des Meeres tief einzuatmen. Wir waren begeistert. Das Schöne an Cascais, dass es bis heute ein Fischerdorf geblieben ist, mit kleinen bunten Booten, die den Hafen schmücken.

Einen Kommentar schreiben